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Zwölf Jahre unterwegs in Marokko – kleine Gesten, große Menschlichkeit
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Zwölf Jahre unterwegs in Marokko – kleine Gesten, große Menschlichkeit

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Text: Marita Werntze-Sparla

Seit zwölf Jahren bereise ich vorzugsweise den Süden Marokkos und möchte von einem Vorfall am 12. November 2025 erzählen:

Ich wartete am Straßenrand in Tissergate, kurz vor Zagora, als schon bald ein fast voll besetztes Sammeltaxi anhielt, in das ich einstieg. Gut zwei Stunden später, nachdem ich durch die Palmenhaine von Amzrou zurück nach Zagora gelaufen war, rief mich, während ich in einem Café Littéraire in Zagora saß, Brahim Oubaha aus Rabat auf meinem iPhone an, um zu fragen, ob ich mein Telefon verloren hätte! Verwundert sagte ich zunächst „nein”, kontrollierte sämtliche Taschen und stellte erschrocken fest, dass offenbar mein kleines Telefon mit einer Maroc-Telecom-SIM-Karte aus meiner Umhängetasche gefallen war.

Ich rief Brahim zurück und erfuhr, dass der Fahrer des „Taxi Commun” diese marokkanische Nummer gewählt hatte. Auf Brahims Frage, woher er anrufe, antwortete der Fahrer: „… ja, aus Zagora!” Da war ihm klar: Das konnte nur ich sein. Nun klärten die beiden per Telefon, wie weiter verfahren werden sollte.

War es Fügung oder Intuition, dass der Taxifahrer Brahims Nummer wählte und ihn tatsächlich erreichte? Immerhin befinden sich etliche marokkanische Kontakte mit Nummern auf meinem Telefon! Und was für ein Glück, dass Brahim in Rabat die Situation souverän handhaben konnte.

Kurzum: Gegen 18 Uhr fuhr dieser sympathische Taxifahrer nach Dienstschluss im Riad Sauvage Noble vor und überreichte mir strahlend mein Telefon. Ein Finderlohn war ihm natürlich sicher.

Das ist nur eines meiner vielen Erlebnisse, die mir die Menschen in Marokko so liebenswert machen. In Deutschland wäre mein Telefon vielleicht bei einer Fundstelle gelandet und dort liegen geblieben – hier jedoch erlebe ich immer wieder unkomplizierte, spontane Kommunikation und Hilfsbereitschaft. In den großen Städten ist allerdings Vorsicht geboten.

Gleichwohl: In Tanger auf dem großen Bahnhofsvorplatz spricht mich eine junge Frau von hinten an und fragt, ob sie mir helfen könne, nimmt mein Gepäck und begleitet mich bis zu meinem reservierten Platz im TGV.

Oder ein weiteres Beispiel: Nachdem man mir in einer Bäckerei in der Medina von Essaouira kein Wechselgeld herausgeben konnte, eilte der Verkäufer auf die Straße, fragte hier und da – die Türen der kleinen Betriebe stehen ja offen – und ein Friseur, der gerade Haare schnitt, bekam dies mit, ließ seinen Kunden mit Umhang sitzen und übernahm die weitere Suche nach Wechselgeld.

So etwas zu erleben, macht einfach Freude.

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