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Spuren über den Atlantik
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Spuren über den Atlantik

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Rabat wurde am 10. Februar 2026 zu einem internationalen Forum der Altertumsforschung. An der Fakultät für Geistes- und Humanwissenschaften Rabat diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler innovative Ansätze zur Erforschung früher Verbindungen zwischen Marokko und den Kanarischen Inseln.

Unter dem Titel „Zwischen Pyramiden, Sternen und Ozeanen – Neue Datierungsansätze zur Frühgeschichte Marokkos und der Kanarischen Inseln“ stand eine mögliche Neubewertung der Geschichte des atlantischen Raumes im Mittelpunkt.

Im Zentrum der Veranstaltung stand der deutsche Experimentalarchäologe Dominique Görlitz, Professor an der Universität Erlangen–Nürnberg. Görlitz ist für seine praxisorientierten Forschungsansätze bekannt: Historische Seeverbindungen werden nicht nur theoretisch rekonstruiert, sondern unter realen Bedingungen erprobt.

Alte Fragen – neue Perspektiven

Das vorgestellte Forschungsprojekt kombiniert naturwissenschaftliche Datierungsmethoden wie die optisch stimulierte Lumineszenz (OSL) mit archäoastronomischen Analysen und der Untersuchung prähistorischer Felskunst. Ziel ist es, die Chronologie pyramidenähnlicher Strukturen auf den Kanarischen Inseln neu zu bewerten und zentrale Fragen zur Herkunft der frühen Inselbevölkerung differenziert zu untersuchen.

Dabei wird die Geschichte der Inseln in einen erweiterten atlantisch-mediterranen Kontext gestellt. Könnten bereits in vorgeschichtlicher Zeit maritime Kontakte zwischen Nordafrika und dem atlantischen Archipel bestanden haben? Und spielte die marokkanische Atlantikküste womöglich eine aktivere Rolle in diesen Austauschprozessen als bislang angenommen?

Marokko als maritimer Schlüsselraum

Die Tagung machte deutlich, dass Marokko in dieser Debatte nicht nur geografisch, sondern auch historisch eine zentrale Position einnimmt. Archäologische Hinweise entlang der Atlantikküste eröffnen neue Fragestellungen zu möglichen frühen Verbindungen zwischen Nordafrika und den Inselwelten des Atlantiks.

In seiner Eröffnungsansprache unterstrich der Dekan der Fakultät die Bedeutung des Atlantikraumes als historischen Interaktionsraum. Zeitgemäße Forschung, so seine Botschaft, erfordere heute konsequent interdisziplinäre Ansätze, um komplexe historische Entwicklungen neu zu interpretieren.

Forschung auf offener See

Ein besonderer Bestandteil des Projekts ist die geplante Expedition mit einem nach prähistorischem Vorbild rekonstruierten Schilfboot. Aufbauend auf früheren Unternehmungen der ABORA-Reihe soll eine neue Fahrt von Portugal entlang der marokkanischen Küste bis nach Teneriffa führen.

Durch diese experimentelle Seereise sollen die nautischen und technischen Möglichkeiten früher Seefahrt unter realen Bedingungen überprüft werden. Experimentelle Archäologie wird damit zur Schnittstelle zwischen Theorie, Technik und praktischer Erprobung.

Neue Impulse für die Frühgeschichtsforschung

Die Veranstaltung in Rabat verdeutlichte eindrucksvoll den Wandel der Altertumsforschung. Naturwissenschaftliche Analysen, astronomische Berechnungen und maritime Experimente ergänzen zunehmend klassische historische Methoden und eröffnen neue Interpretationsräume.

Ob sich daraus eine grundlegende Neubewertung der frühen Beziehungen zwischen Marokko und den Kanarischen Inseln ergibt, bleibt abzuwarten. Unbestritten ist jedoch: Der atlantische Raum rückt stärker in den Fokus internationaler Forschung – und Marokko positioniert sich dabei als aktiver Impulsgeber im globalen wissenschaftlichen Diskurs.

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